Reise zum Kilimandscharo - Teil 4

 
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ein Reisebericht in mehreren Etappen - von Hans-Erich Heinrichs

 

Der dritte Tag am Berg

Noch sind wir alle guter Dinge, die Stimmung ist prima und in Erwartung der Karnevalstage zu Hause stimmen Jürgen und ich zwischendurch wiederholt ein „kölsches Liedchen“ an, was dann wiederum unsere „Bayern“ zu einem Stirnrunzeln veranlasst. Auf unserem Weg nach oben überholen uns mal wieder unsere Porter, welche die schwere Ausrüstung meistens auf dem Kopf nach oben schleppen.

 
 
 
 
 
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Es wird mittlerweile genauestens darauf geachtet, dass jeder Träger nicht mehr als 20 kg zu schleppen hat. Dafür ist am Gate eine Waage aufgestellt, auf die jeder Träger seine Sachen stellen muss um zu prüfen, ob das zulässige Gewicht nicht überschritten wird. Als ich so am steilen Trail einen Porter ruhend neben seinem Gepäck sitzen sah, hab ich es mir nicht nehmen lassen, selbst zu prüfen, welcher Belastung diese armen Kerle ausgesetzt sind.

Und das alles zu unserer Bequemlichkeit.

   
   
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Im ersten Moment schwanke ich etwas unter der Last, die nach meiner Einschätzung die 20kg-Grenze gewaltig übersteigt. Ich unterhalte mich dann mit unserem Assistant-Guide Josef über diese unvorstellbare Kraftanstrengung. Aber er beruhigt mit dem Argument, dass die Porter für ihre Verhältnisse hier am Berg sehr gut verdienen. Man bedenke, dass in Tansania ein ungelernter Arbeiter etwa 5000 Tansanische Shilling, das sind etwa 4 Euro, am Tag verdient, wenn er dann überhaupt Arbeit hat. Ein Porter verdient mit seinem Trinkgeld etwa das zehnfache davon.

   
   
   
   
   
   
   
   
   
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    Der Weg geht steil weiter und die Vegetation wird langsam immer magerer. Wir erreichen die  Wolkengrenze und tauchen ein in einen Vorhang aus Feuchtigkeit und Dunst, der sich aber mit zunehmender Höhe langsam wieder etwas lichtet. Der Blick talwärts gibt einen Eindruck von der Anstrengung des  Tages.
   
   
   
   
   
   
   
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Wir sind jetzt auf einer Höhe von ca. 3.600 m und die sog. „dünne“ Luft fängt an, sich bemerkbar zu machen. Aber noch haben wir etwa 250 Höhenmeter zu bewältigen. Wie wird der Organismus sich in dieser Höhe anpassen? Ist das leichte Pochen im Kopf etwa schon ein erstes Anzeichen einer einsetzenden Höhenkrankheit oder nur die Folge der großen Anstrengung?. Jetzt nur nicht zu viel in sich hineinhören, und die Angst noch verstärken. Also weiter, Schritt für Schritt bergauf. Zwischendurch noch einmal eine kurze Rast einlegen und einen Schluck aus der Wasserflasche nehmen, denn Trinken ist in dieser Höhe ein Garant für das Vermeiden körperlicher Probleme, mit denen wir am Ende dieses Tages noch konfrontiert werden sollten. Aber dazu später noch mehr.

 

Endlich ist von weitem unser Ziel, das New-Shira-Camp auf 3.845 m Höhe zu erkennen. Wir sind froh, endlich unsere Sachen im Zelt ablegen zu können und im Gemeinschaftszelt eine heiße Tasse Tee mit Gebäck und gesalzenem Popkorn zu genießen. Dann schauen wir uns mal in der Umgebung um und genießen einen unvergesslichen Sonnenuntergang, der den Kibo regelrecht erglühen lässt.
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Vom Anblick  überwältigt, sitzen Jürgen und ich beim Gespräch in unserem Essenszelt, als der Eingang beiseite geschoben wird und Julia ins Zelt kommt. Wir wollen ihr unsere „Kaffeebud“ singen, merken aber sofort, dass hier etwas nicht stimmt.

„Mir ist so schlecht“, spricht sie im Flüsterton, „und mein Kopf brummt“. Uns schießt nur ein Gedanke durch den Kopf, höhenkrank. Es dauert etwas, bis wir reagieren können. Während Jürgen seine Magentabletten suchen geht, versuche ich zu beruhigen, was natürlich wenig Wirkung zeigt. Ich besorge noch eine Plastiktüte, dann ist es auch schon soweit. Julia muss sich mehrmals übergeben. Wir raten an: hinlegen, viel trinken und versuchen zu schlafen. Julia nimmt unseren Rat gerne an und erscheint am Abend auch nicht zum Essen. Wir lassen sie für heute  erst einmal in Ruhe.

Aber ausgerechnet Julia, gut durchtrainiert durch regelmäßiges Lauftraining. Sie hat mir heute noch von ihrer Teilnahme am Rennsteigmarathon im letzten Jahr erzählt, was mich dazu bewogen hat, ihr den Beinamen „Maratoni“ zu geben. Bis heute ist sie mir immer erst als „Toni“ im Kopf. Übrigens findet sie den Namen auch nicht sooo übel, so dass ich sie als einziger unserer Truppe auch weiterhin Toni nennen durfte.

Aber was ist eigentlich Höhenkrankheit? Kann sie gefährlich werden? Und wie soll man sich verhalten? Ich gebe hier eine allgemeine Erklärung aus dem Buch „Kilimanjaro“ von Tom Kunkler wieder, wonach die Höhenkrankheit durch den fallenden Luftdruck in der Höhe entsteht. Hierdurch kommt es zu einem Abfall des Luftdruckes in unserer Atemluft, bei dem auch der Sauerstoffpartialdruck (anteiliger Sauerstoffdruck) abnimmt. Der eigentliche Sauerstoffgehalt (21%) nimmt, entgegen allgemeiner Meinungen, nicht ab. Wir atmen aber durch diesen verminderten Druck automatisch weniger Sauerstoff ein. Der Anteil der roten Blutkörperchen reicht also ab einer gewissen Höhe (meist ab ca. 3000 m) nicht mehr aus, um die notwendige Menge an Sauerstoff in unser Gehirn und Gewebe zu transportieren. Man kann dem durch die sog. Akklimatisierung entgegenwirken, d.h. den Körper langsam an die Höhe gewöhnen. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen sollte man demnach nicht mehr als 400 bis 500 Höhenmeter am Tag aufsteigen, was in der Kürze des Aufstiegs (4 Tage auf, 2 Tage ab) am Kilimandscharo nicht machbar ist.

Wen die Höhenkrankheit trifft, ist bisher noch nicht ausreichend erforscht. Sogar Martina Navratilova, jahrelang führende Frau in der Tennisweltrangliste, musste die Besteigung des Kilimandscharo vorzeitig wegen starker Symptome der Höhenkrankeit abbrechen.

Werden die ersten Anzeichen einer Erkrankung ignoriert, kann es zum sog. Höhen-Hirnödem kommen, d.h. Wassereinlagerungen im Gehirn, das in 40% der Fälle zum Tode führt. Ein weiteres alarmierendes Anzeichen ist das sog. Höhen-Lungenödem bei ungleichen Gefäßveränderungen in der Lunge. Wasser dringt in die Lungengefäße ein und Erstickungstod ist die Folge In beiden Fällen hilft nur ein sofortiger Abstieg oder die Behandlung in einem Überdrucksack. Jährlich sterben hier am Berg einige Touristen, weil sie die Anzeichen nicht ernst nehmen und notwendige Hilfe zu spät kommt. Auch wir sind mit dieser Tatsache konfrontiert worden. Ich werde an anderer Stelle über dieses Schockerlebnis noch berichten.

All diese Gedanken sind an diesem Abend in unseren Köpfen und lassen uns nicht mehr los. Wird sich Julia erholen? Kann sie morgen weiter oder ist die Krankheit über Nacht schlimmer geworden. Es soll eine unruhige Nacht werden, und voll Spannung erwarten wir den folgenden 4. Tag am Berg.

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