Reise zum Kilimandscharo - Teil 6

 
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ein Reisebericht in mehreren Etappen - von Hans-Erich Heinrichs

 

 

Mit all diesen Gedanken im Kopf, ist es unmöglich, Schlaf zu finden. Und jetzt wäre Schlaf so wichtig. Morgen wird wahrscheinlich an Schlaf nicht  zu denken sein. Aber der Kopf lässt sich nicht so einfach abschalten. Also versuche ich es mit dem Text des Liedes aus meiner Kindheit, das mir  bei dieser Tour so oft in die Sinne kommt. Ich sehe bei diesem Versuch noch einmal all die Anstrengungen aber auch die Schönheiten dieser einzigartigen Landschaft an mir vorbeiziehen.

 
 
 
 
 
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2. Strophe:

 

Wohl über Berg und Klüfte

Durch tiefe Urwaldnacht

Wo schwül und feucht die Lüfte

Und nie die Sonne lacht.

Durch Steppengräser-Wogen

Sind wir hindurchgezogen

Mit Trägern und Askari

Heia Safari.

 

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Dieser Ablenkungsversuch von den Problemen der Nacht, zeigt endlich Wirkung und ich finde ein wenig Schlaf. Wach werde ich vom lauten Schnarchen meines Freundes Jürgen, der sonst eigentlich ein eher ruhiger Schläfer ist. Draußen wird es schon hell und die ersten Helfer sind schon dabei, die Vorbereitungen für Waschen und Frühstücken zu treffen.

Ich fühle mich noch ein wenig benommen und schwach, aber das Schlimmste scheint überstanden zu sein. Benno vermerkt für diesen Tag in seinem Tagebuch: Wetter: Sonnig, etwas windig, Außentemperatur 5 Grad. Tagesmotto: über die Breakfastwall zur Todeszone (Erich). Das bedeutet, dass er mich hier vom gestrigen Tag zitiert, wo ich den Bereich über 4.500m als „Todeszone“ bezeichnet habe. Das sollte sich im laufe des Tages noch einige male bewahrheiten. Aber dazu später noch mehr.

Beim Frühstück geben Birgit und Helmut bekannt, dass sie nicht mehr weiter mitgehen wollen. Die Anstrengung bis hierher sei schon so groß gewesen, dass sie sich den heutigen Tag mit Besteigung der Great Baranco-Wall nicht mehr zutrauen würden. Der Aufstieg teilt sich heute in 50% noch aufrechtes Gehen und 50% Kletterpassagen, wo man sich auf allen Vieren nach oben ziehen muß, so schreibt Benno in sein Tagebuch. Helmut und Brigitte verabschieden sich nun und ziehen mit unserem Assistant-Guide Habibu und ihren Trägern ab.

Das Bild zeigt Birgit und Helmut gezeichnet von den Strapazen beim Frühstück kurz vor dem Abstieg.

   
   
   
   
   
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Beim Frühstücken habe ich mich zurückgehalten, aus Angst, es könnte meinen Magen in Missstimmung bringen. Ein Toast mit Marmelade, eine Tasse Kaffee, das wars. Wir packen unsere Sachen und auf geht’s. Die größte Herausforderung des Tages, die „Wall“ ist nach ca. einer halben Stunde erreicht und die ersten Kletterpassagen sind zu überwinden.

Das Bild zeigt die Barranco Wall mit ihren steilen Kletterpassagen.

   
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Immer wieder werden wir von Portern mit Riesenlasten und für unsere Verhältnisse nicht gerade optimaler Ausrüstung in der Wand passiert. Nach ca. 1,5 Stunden haben wir die erste Schwierigkeit dieses Tages gemeistert und uns redlich eine kurze Pause verdient. Mir geht es wieder gut und ich bin guter Dinge für den Rest des Tages. Ich habe die Handschuhe ausgezogen, da die Sonne heute hier ordentlich brennt, und merke in der Kälte der Höhe nicht, wie meine Hände innerhalb einer halben Stunde bis zum 2. Grad verbrannt sind. Erst beim Abstieg werden sich  die ersten Brandblasen zeigen. Nachdem ich die Rötung bemerke ziehe ich sofort die schützenden Handschuhe wieder an.

Nach weiteren 3 Stunden Aufstieg erreichen wir  das Caranga Camp auf 3970m Höhe, wo der Koch uns ein kräftigendes Fast-Food gezaubert hat. Zum ersten mal seit gestern spüre ich wieder so etwas wie Hunger und lasse es mir schmecken. Obwohl es schon zum vierten mal Hähnchenschenkel gibt, schmecken sie diesmal mit gebackenen Kartoffeln (Chips) besonders gut. Nach der Mittagspause raffen wir uns auf und weiter geht’s zum Barafu Camp, was soviel heißt wie „Schnee-Camp“ oder „Eis-Camp“ und das sollte seinem Namen alle Ehre machen. Aber zunächst konnten wir den Kibo von einer seiner schönsten Seiten bestaunen, umgeben von einem einzigartigen Wolkenspiel. Von der Seite schiebt sich eine mächtige Wolkenwalze herein und vermittelt ein großartiges Schauspiel.
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Der Weg geht weiter. Von Vegetation ist hier nichts mehr zu sehen. Schwarze, staubige Lava, über ins unendlich führende Trampelpfade zwingen geradezu zu innerer Einkehr. Wir sind jetzt auf über 4500m Höhe. Dies wird uns auch von der mitgebrachten Uhr mit Höhenmesser unmissverständlich aufgezeigt.

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 Ich aber fühle mich gut, trotz „Todeszone“, was man von einigen zu Tal geführten, fahl wirkenden und teilweise mit Sauerstoffflaschen versehenen Tourgehern nicht behaupten kann. Trotzdem beschleicht mich bei diesem Anblick leichtes Unbehagen, ob der noch zu erwartenden Schwierigkeiten und Probleme.

Und damit sollte es bald losgehen. Wir kommen gegen 17.30 müde und hungrig im Camp an. Der Wind hat aufgefrischt und es ist eiskalt. Wir flüchten ins Essenszelt und hoffen, dass es nicht mit uns wegfliegt. Nach dem Abendessen erfolgt das nun wichtigste Briefing dieser Tour. Das Briefing vor dem Aufstieg. Unser Chef-Guide gibt Verhaltensregeln für den Aufstieg bekannt und wir einigen uns für unsere jetzt nur noch aus 6 Leuten bestehende Gruppe auf 5 Guides, so dass wir für alle Eventualfälle gerüstet sind.

Unsere Zelte sind an den Felsen festgezurrt, andere Möglichkeiten zur Befestigung gibt es hier oben nicht. Die Zelte ducken sich in Mulden und hinter Felsen, um dem starken, eisigen Wind trotzen zu können. Die gefühlte Temperatur liegt hier weit unter 10 Grad minus.

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Der Sturm ist so extrem, dass die Zeltwände anfangen laut zu knallen und von Zeit zu Zeit total zusammenbrechen, um dann mit einem lauten Knall wieder aufzugehen. Wir packen uns in unsere Schlafsäcke, Jürgen hat 2 davon, ich schlafe mit Inlett und um die Füße die dicke Jacke geschlungen. Es ist 9 Uhr, kein Schlaf. Es ist 10 Uhr, kein Schlaf. Es ist 11 Uhr, aufstehen, anziehen, etwas essen und trinken, die fertiggepackten Sachen schultern und auf geht’s zum eigentlichen Ziel, dem Gipfel des Kilimandscharo.

Ohne ausreichend Schlaf. Ohne je zuvor eine Anstrengung auf dieser Höhe erlebt zu haben. Fragende Blicke nicht nur bei Julia und Mette. Hoffentlich geht das gut.

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Wir sind von 8 Leuten jetzt noch 6. Werden alle den schwierigen Aufstieg zum Gipfel schaffen? Kommen alle wieder gesund nach unten? Fragen, die uns alle beschäftigen. Die Antworten darauf kommen in Folge 7, Aufstieg zum Gipfel.

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