Reise zum Kilimandscharo - Teil 7

 
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ein Reisebericht in mehreren Etappen - von Hans-Erich Heinrichs

 

 

 

Auf den Gipfel und zurück!

Benno vermerkt in seinem Tagebuch: 28. Jan. 2011, 5. Tag am Berg, Gipfeltag 5895m und zurück zum Mweka Camp 3100m.

Wecken: 23.00 Uhr, Frühstück:23.30 Uhr, Start: 00.20 Uhr

Temperatur 12 Grad minus, gefühlte Temperatur 30 Grad minus, bis zum Sonnenaufgang um 6.20 Uhr Sturm.

 
 
 
 
 
 
    Und dieser Sturm war zermürbend, ohne Pause, zunehmend bis zum Sonnenaufgang. Als wir losgehen, sehen wir in der Dunkelheit der Nacht eine sich endlos den Berg hinauf schleichende Schlange von Lichtern. Es sind die Kopflampen der Porter und Trekking-Touristen, die einen ersten Eindruck von der zu überwindenden Höhe in dieser Nacht vermitteln. Nach ca. 2 Stunden Gehzeit erfolgt die erste Rast. Trinken ist angesagt. Ich habe schon kalte Finger, trotz doppelter Handschuhe, Fingerhandschuhe und Fäustlinge drüber.  Mit diesen Fäustlingen komme ich nicht zurecht. Und dieser Umstand wird mir später noch sehr zu schaffen machen.

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Aber im großen und ganzen bin ich eigentlich noch gut drauf, konzentriere mich  mehr und mehr auf mich selbst und bekomme nur am Rande noch die Probleme der anderen mit. Durch den Sturm und die Kälte hat Jürgen z.B. Probleme mit Brille und Kopflampe, Benno hat auch kalte Finger bekommen, auch Julia, Mette und Rolf sind nicht mehr sehr gesprächig.

Schnell die Trinkflasche wieder so verstauen, dass sie nicht einfriert und weiter geht der Weg steil bergauf. Auf die richtige Atmung achten, tief einatmen und langsam ausatmen ist die Devise und immer pole pole.

Aber meine Finger werden immer kälter. Ich spüre die Fingerspitzen nicht mehr. Fäustlinge aus, und versuchen irgendwie  die Durchblutung anzuregen.  Fehlanzeige. Durch diesen Versuch habe ich den Anschluss an die Gruppe verloren. Schnell wieder Anschluss finden, denke ich und vergesse die alte Weisheit: „Wer schnell zum Gipfel will, sollte langsam gehen“

Ich gerate außer Atem, fange an zu hächeln und merke wie die Kraft langsam aber unaufhaltsam aus den Muskeln gezogen wird.  Vor mir sehe ich Jürgen  gehen, und bemerke, dass er noch schlimmer dran sein muss als ich. Seine Beine zittern, und er muss sich mehrmals übergeben. Und das 200 Höhenmeter vor dem Ziel. Dabei erinnere ich mich an unsere Abmachung: „wenn einer nicht mehr kann, geht der andere trotzdem weiter“. Wir machen eine kurze Rast. Ich konzentriere mich auf meine Atmung, Jürgen muss sich wieder übergeben. Ich warte darauf dass er umkehrt. Aber er kämpft sich weiter nach oben. Was für eine Leistung.

Der Sturm lässt etwas nach, es wird heller, endlich. Und dann dieser Moment, wo die Sonne ihre ersten Strahlen rot leuchtend am Horizont zeigt. Wir sind alle überwältigt und vergessen für einen Moment alle Strapazen der Nacht. Schauen, schauen und nochmals schauen und Benno hält diese unvergesslichen Momente mit der Kamera fest.

Blick über den Mawenzi, die Sonne spiegelt sich in der Fotolinse:

   
   
   
   
   
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Die letzten 100 Höhenmeter meistert Jürgen unter großer Anstrengung mit Unterstützung  unserer Guides. Alle sind am Ende ihrer Kräfte und eine letzte Rast kurz vor dem Kraterrand ist unerlässlich.

   
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Schließlich erreichen wir den Stella Point am Kraterrand des Kilimandscharo. Ist dieser Punkt erreicht, gilt der Kibo als bezwungen. Wir machen hier eine kurze Rast, bevor es weitergeht zum Uhuru Peak. Julia, Mette, Rolf und Benno brechen schon mal auf, die letzten 150 Höhenmeter zu bewältigen. Ich ruhe noch ein wenig und mache mich dann mit Peter, meinem persönlichen Guide an diesem Tag, ebenfalls auf Richtung Gipfel. Immer wieder muss ich Rast machen, stütze mich dabei auf meine Stöcke und habe größte Mühe wach zu bleiben. Unterwegs treffe ich die anderen auf dem Rückweg, die alle von den Strapazen gezeichnet sind.

In der Ferne kann ich das Ziel schon erkennen und bin froh, als ich endlich vor den bekannten „Brettern“ des Uhuru Peak stehe. Was für ein Gefühl. Das Dach Afrikas. All die Strapazen sind für einen Moment wie weggewischt.

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Erst auf dem Rückweg, der auf dieser Höhe so schnell wie möglich angegangen werden muss, erkenne ich die gewaltigen Ausmaße des Rebmann-Gletschers, der mit seinen Eismassen 30 bis 40 m aus der dunklen Lavaasche ragt.

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Im Hintergrund drängt der Mt. Meru aus dem Dunst über Afrika, dessen Gipfel, der Socialist Peak, immerhin stolze 4562 m misst.

Es bleibt wenig Zeit für große Gefühle, aber als ich bei Tageslicht die zurückgelegte Nachtroute erkenne, kommt doch so etwas wie Stolz auf die erbrachte Leistung auf. Der Rückweg führt zunächst über ein langes, steiles Schotterfeld, das Benno als Aschenwand bezeichnet. Ich sinke knöcheltief ein und mir kommt dieser Teil des Abstiegs unwahrscheinlich kräfteraubend vor. Nach ca. 3 Stunden  erreichen wir endlich unser Camp und ich falle sofort in unser Zelt, um etwas auszuruhen. Jürgen liegt schon flach und wir erzählen uns von den Erlebnissen dieses Aufstiegs. Auch ihm ist dabei der Stolz über die erbrachte Leistung anzumerken. Gegen 14 Uhr gibt es ein stärkendes Mittagessen und wir packen unsere Sachen für den weiteren Abstieg zum Mweka Camp. Langsam nimmt die Vegetation wieder zu, bis wir uns schließlich wieder in dem Grüngürtel des beginnenden Urwalds befinden. Der Weg ist jedoch immer noch steil und felsig.

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Als endlich das Mweka Camp erreicht ist, haben wir einen 18 Stunden Tag hinter uns und sind froh, dass alle heil wieder beisammen sind.

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Wir kriechen in unsere Zelte und bereiten zunächst einmal alles wieder für die kommende Nacht vor, die uns hoffentlich den lange vermissten und heiß ersehnten Schlaf bringen wird. Beim Abendessen bereiten wir noch die Trinkgeldübergabe für den nächsten Morgen vor. Die Dunkelheit kommt hier schnell und wir schlüpfen in die Schlafsäcke und träumen von den Erlebnissen des Tages.

Im Traum ertönt wieder diese Melodie aus der Kindheit und der Text der 3. Strophe ist mir plötzlich wieder im Sinn:

Und saßen wir beisammen, des Nachts wohl vor dem Zelt.

Und träumten Abenteuer, um uns die nächtge Welt.

Und über Berg und Hänge, tönt es wie ferne Klänge,

von Trägern und Askari

Heia Safari.

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Munter und ausgeschlafen gehen wir in den nächsten Tag. Nach dem Frühstück folgt die obligatorische Zeremonie der Trinkgeldübergabe. Rolf meistert dies hervorragend und die Porter bedanken sich dafür mit dem „Kilimandscharo-Lied“

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Dann machen wir uns auf den „Heimweg“ zum Mweka Gate, wo unser Bus auf uns warten wird. Es geht ausschließlich bergab. Die ersten Kilometer sind noch steinig und holprig, als wir von einer Gruppe von Portern mit einer einrädrigen gefederten Karre mit Bare überholt werden. Wie sich später herausstellen sollte, lag darauf ein 42jähriger Franzose, der im Barafu-Camp gestorben war.

Der Weg wird langsam immer besser und vereinzelt führt er über gut ausgebaute Brücken, die an Parks in heimischen Wäldern erinnern. Ein Blick zurück lässt den Kibo jetzt in einem ganz anderen Gewand erscheinen.

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Vor dieser imposanten Kulisse wollen Jürgen und ich uns jetzt auch als echte Kibo-Bezwinger präsentieren und unserer Freude so Ausdruck verleihen.

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    Wir finden auch wieder zurück zum Blick für die Schönheiten der Natur um uns herum und entdecken Blumen und Blüten, die es sonst nirgendwo auf der Welt gibt, nur hier am Klimandscharo.
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    Wir erinnern uns, dass wir dies auf unserer ersten Etappe bereits bemerkt haben, und freuen uns jetzt, als wir die ersten Kinder am Wegesrand sehen, die um ein kleines Präsent anhalten, das ihnen auch von unseren Guides angeboten wird.
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Jetzt kann es nicht mehr weit sein. Wir versammeln uns zu einem letzten Gruppenfoto am Berg und ich erinnere mich an die alte Weisheit von H. Kammerlander: „Ein Gipfel gehört dir erst, wenn du unten bist. Vorher gehörst du ihm“

Am Gate stehen schon die Busse bereit, die uns zu unserem Hotel zurück bringen sollen. Doch vorher hat sich jeder zunächst wieder am Gate-Eingang auszutragen, damit ersichtlich wird, dass keiner am Berg verschollen bleibt. Jetzt geht es mit den bereitstehenden Bussen zurück zum Hotel, in unser altes Quartier und die erste Handlung ist, raus aus den stinkenden Klamotten und unter die Dusche. Nachdem wir uns so der Zivilisation wieder genähert haben, kommt die dringende Erfüllung des nächsten Wunsches!!!!!!!!!!!

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    Ich hab noch nie ein Bier getrunken, das so gut geschmeckt hat. Man bedenke, 6 Tage nur Wasser, Wasser, Wasser. Das geht mir aber nicht alleine so, alle anderen ob Männlein oder Weiblein, haben dieselben Empfindungen. Das Tüpfelchen auf dem i hat Jürgen für mich parat. Er hat mit von zu Hause eine dicke Zigarre mitgebracht, die ich nun genüsslich in mich hineinziehe.
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Am Nachmittag erfolgt dann die Aushändigung der Urkunden durch die Guides. Wir sind natürlich alle sehr stolz, dieses mühsam erlangte Zertifikat mit der Aufschrift:

THIS IS TO CERTIFY THAT

 

MR.  ERICH HEINRICHS

 

HAS SUCCESSFULLY CLIMBED MT. KILIMANJARO THE HIGHEST IN

 

AFRIKA TO UHURU PEAK 5895 m AMSL

 

28.01.2011

 

CERTIFICATE Nr. 121901

In der Hand zu halten.

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Diese Urkunde hängt nun eingerahmt an der Wand in unserem Kaminzimmer einem der gemütlichsten Orte unseres Hauses und soll mich daran erinnern, dass Grenzerfahrungen wie die Besteigung des Kilimandscharo einem die angenehmen Seiten des Lebens wieder neu aufzeigen.

„Wenn es einen Glauben gibt, Berge zu versetzen, so ist es der Glaube an die eigene Kraft“

M.v.E. Eschednbach.

Beim Abschluss dieses Berichtes sehe ich in Gedanken wiederum  den Ölb mit seiner Schaar im Saal, beim knisternden Ofenfeuer die letzte Strophe des Liedes zur Klampfe singen:

Tret ich die große Reise, die letzte Fahrt einst an.

Auf singt mir diese Weise, statt Trauerlieder dann.

Dass meinem Jägerohre, dort vor dem Himmelstore

Es schallt wie ein Hallali

Heia Safari.

 

Hans-Erich Heinrichs

Im März 2011

     

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